Bauplan Lebenslauf

von  Gerhard Winkler

Personaler sind wie verwöhnte Kunden im Supermarkt. Ihr Blick streift über Talente in Dosen. Schnell erfassen, gleich bewerten, rasch entscheiden: Die Personaler shoppen Lebensläufe. Wonach sie schauen? Verwertbare Fakten.


Machen Sie dem Jobanbieter den Personaleinkauf leicht. Machen Sie sich als Bewerber transparent. Für den tabellarischen Lebenslauf stellen Sie alle Stationen Ihres Werdegangs so zusammen, dass das Ganze Ihre praktische Jobeignung, Ihre Leistungsklasse und vor allem auch Ihre persönliche Vertrauenswürdigkeit belegt.

Der ideale Bewerber sieht sich selbst als besten Mitarbeiter. Seinen CV legt er so an, dass er mit seinem Profil dem Bewerbungsempfänger effizient und elegant zuarbeitet. Jeder Personaler möchte Bewerber-Profile ohne großen Verstehensaufwand, auf die bisher gewohnte Art und Weise auswerten. Stören Sie ihn dabei nicht. Rekrutierung verläuft prozedural. Setzen Sie den Personaler sogleich ins Bild, dann setzt er Ihr Profil rasch zu den Anforderungen und zu den Lebensläufen der Mitbewerber in Bezug.

Sie machen Ihren Job als Bewerber immer dann gut, wenn der Jobanbieter Freude an seinem Rekrutierungsjob findet. Wenn es schnell geht, wenn man nicht aufgehalten wird, wenn man nichts übersieht.

Einen Lebenslauf aufbauen heißt für den Selbstvermarkter, ein Dilemma zu lösen: Jeder Personaler will so schnell wie möglich die Profile durchleuchten. Als Bewerber baut man sein Datenblatt deshalb so auf, damit es sich wie von selbst liest. Zugleich versucht man den Personaler, der seine Nase nur flüchtig in die Seiten steckt, möglichst lange auf diesen Seiten zu halten. Auch deshalb reichert man sein Datenblatt bis zum Rand mit substantiellen Fakten an.

Erklären, kommentieren, hinweisen, ausformulieren: Das unterlassen Sie bitte im Lebenslauf. Allein die Fakten sollen für Sie sprechen.

Ein Lebenslauf, der überzeugt, ist also das Ergebnis einer dreifachen Anstrengung: Bewusste Auswahl der Fakten. Energisches Zurückstutzen auf das Wesentliche. Ein Zuschnitt, der Ihre guten Argumente visualisiert.

Sie selbst wählen aus! Ein Lebenslauf ist kaum je vollständig. Er umfasst nicht alles, was bisher passiert ist. Er informiert aber vollständig über ihre Leistung.

Sie selbst verdichten! Die Infos auf den Punkt zu bringen ist Ihre wesentliche Leistung als Ihr eigener Kommunikationsdirektor.

Sie sind der Info-Designer! Ihr Motto kann aber nur sein: gestalten ohne über-gestalten.

Ihr funktionaler Lebenslauf sollte immer ein bisschen so aussehen wie alle anderen Lebensläufe. Personaler sind auf keine Berufsanfänger-Überraschung scharf. Lassen Sie auch als Verpackungskünstler die Finger von Ihren Unterlagen. Jede scheinbar originelle Variante empfinden Jobanbieter bloß als ein Störmanöver, das sie vor allem in ihrer Arbeitsroutine unterbricht. Außerdem haben gestandene Arbeitgeber wirklich alles schon einmal gesehen. Sie wollen keine Überraschungstüte, eben, weil sie abschätzen können, was drin ist.

Kreativität heißt in der Praxis nichts anderes als: mit viel Gedöns. Jobanbieter wollen aber nicht unterhalten oder gar verführt werden. Sie zahlen teuer für jede personelle Fehlentscheidung.

Ihr Lebenslauf gleicht äußerlich den anderen und ist zugleich so wie kein zweiter. Zum einen verlaufen Menschenleben sowieso nicht gleich, zum anderen richten Sie als fokussierter Bewerber Ihren Werdegang ja auf ein genau definiertes Jobziel aus. In der Ausbildung, im Studium fühlten Sie sich vielleicht als Klon. Klonen Sie jetzt keinen Lebenslauf. Sie machen sich zum Clown.

Gehen Sie kühl und überlegt vor, so wie die Stararchitekten unter den Lebenslauf-Konstrukteuren:

  1. Nutzen Sie die Tabellenfunktion in Word und legen Sie eine zweispaltige Tabelle an. Sie werden jetzt und bei allen Aktualisierungen der Zukunft Datenblöcke verschieben. Da tun Sie sich leicht, wenn Sie Textblöcke von einer Tabellenzeile in die andere bewegen.
  2. Richten Sie das Seitenverhältnis der beiden Tabellen nach dem Goldenen Schnitt aus. (Gesamte Breite zur größeren Breite wie größere Breite zur kleineren Breite.)
  3. Setzen Sie in die linke Spalte ausschließlich wenige Rubriken-Titel wie zum Beispiel PERSÖNLICHE DATEN - ANGESTREBTE POSITION - BERUFLICHE PRAXIS - AUSBILDUNG - WEITERBILDUNG - KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN - MITGLIEDSCHAFTEN sowie die zeitlichen Angaben (monatsgenau nach der letzten allgemeinbildenden Schule).
  4. Sparen Sie sich alle Feldbezeichnungen wie Name: - Straße: etc. - Ein guter Lebenslauf ist ein selbsttragendes Gerüst.
  5. Starten Sie immer mit den vollständigen PERSÖNLICHEN ANGABEN. Das sind Ihre Adressdaten, das Geburtsdatum plus Ort und gegebenenfalls Ihr Familienstand und Ihre Nationalität. Wiederholen Sie diese Daten nicht auf Kopf- oder Fußzeilen.
  6. Markieren Sie Ihren Anspruch auf die von Ihnen ANGESTREBTE POSITION. Verankern Sie das am Ende des ersten Seitendrittels.
  7. Starten Sie dann mit der Rubrik, in der Ihr stärkstes Pro-Argument steckt. Das ist bei Jobwechslern die aktuelle Position. Auszubildende, Studierende, Absolventen wählen die aktuelle Ausbildung. Falls man länger joblos ist, rückt man die Kenntnisse und Fähigkeiten ganz nach oben.
  8. Strafen Sie all die Einflüsterer mit einem verächtlichen Lächeln, die Ihnen weismachen wollen, der natürliche Gang der Dinge im tabellarischen Lebenslauf sei der chronologische von der Wiege bis zum aktuellen Job: Der Lebenslauf ist eine kunstvoll auf maximale Wirkung hin angelegte Präsentation. Immer da, wo eine Zeitleiste aufgelistet wird, also bei BERUFLICHE PRAXIS - AUSBILDUNG - WEITERBILDUNG, reihen Sie umgekehrt chronologisch. Und den Grundschuleintrag streichen Sie bitte.
  9. Setzen Sie Ihre beruflichen Daten so: JOBTITEL, NAME + RECHTSFORM DES ARBEITGEBERS, ORT. Reichern Sie diese Kerndaten mit einer Liste der Pflichten, Zuständigkeiten, Projekte, Erfolge an.
  10. Geben Sie in allen akademischen Ausbildungen und in den beruflichen Bildungsmaßnahmen Schwerpunkte an. Notieren Sie die Stationen so: TITEL DER AUSBILDUNG, NAME + RECHTSFORM DER INSTITUTION, ORT.
  11. Verfahren Sie ebenso mit Ihren Weiterbildungen, aber gehen Sie nicht weiter als fünf Jahre zurück. Haben Sie in letzter Zeit überhaupt keine Bildungsaktivitäten gezeigt, dann haben Sie ein Problem.
  12. Notieren Sie stets Sprach- und EDV-Kenntnisse. Unterlassen Sie es, persönliche Stärken aufzulisten. Wer Sie sind, wird aus den belegbaren Fakten schon sichtbar. Im Jobinterview stehen Sie mit Ihrer Person dahinter. In Lebenslauf und Anschreiben sind Ego-Statements wirklich nur Worte in den Wind.
  13. Notieren Sie unbedingt auch Mitgliedschaften in Berufs- und Standesorganisationen. Auch ehrenamtliches Engagement oder ein aktiver Vereinseinsatz sprechen für Sie. Ersparen Sie sich Hobbys und Interessen. Damit punkten Sie später, im Jobinterview. Verweisen Sie auf Online-Profile und auf Ihre Präsenz in den Social Media!
  14. Eliminieren Sie alle Schmuckelemente wie Längs- oder Querlinien. Verwenden Sie eine andere Schrift als Times oder Arial. Schriftgröße 10 bis 10,5 Punkt. In Tabellen gepackte Stichworte und Zeitleisten brauchen einfach keine große Schrift! Vermeiden Sie Aufzählungen in Listenform mit Kugel- oder anderen Symbolen als Vorsatz. Ihr Text ist nackte Information und zwischen der Information und dem Auge des Lesers sollen keine sonstigen Zeichen kommen.
  15. In Ihrem Lebenslauf stehen außer Zeitangaben nur Hauptwörter (konkrete Substantive!) und ein paar gelegentliche Präpositionen wie „von“ oder „für“. Im Grunde läuft Ihre Gestaltungsarbeit auf das Streichen unnötiger Wörter und das Weglassen von sprachlichen Aufputz-Elementen heraus.

Apropos Streichen: Sparen Sie sich das Deckblatt. Fügen Sie Ihr Porträt in die rechte obere Ecke der ersten Seite Ihres Lebenslaufs ein. Verschönern Sie Ihren Lebenslauf nicht mit einer eingescannten Unterschrift. Mit Ort, Datum, Signatur am letzten Seitenende demonstrieren Sie in der digitalen Ära nichts als die kindliche Furcht, dass Ihr Leistungsangebot ohne Beglaubigung wertlos sei.

Einige dieser Handlungsanweisungen widersprechen dem, was Sie anderswo lesen oder hören oder was Sie bisher selbst praktizieren. Hüten Sie sich vor der Annahme, dass man alles immer so oder so machen kann. Die meisten Bewerber kommen nicht wegen, sondern trotz Ihrer Unterlagen bis zum Jobinterview. Sie selbst maximieren Ihre Chancen, wenn Sie sich einfach und unaufwendig, direkt und zielgenau, faktisch und ohne große Worte präsentieren. Bauen Sie keine Präsentation nach Vorschrift. Ihr Lebenslauf ist entweder funktional oder leider suboptimal.

Ihr Bewerbungshelfer
Gerhard Winkler

Gerhard Winkler - unser Kolumnist

Gerhard Winkler ist seit 1997 Tippgeber, Karrierebegleiter und Bewerbungs- bzw. Vermarktungshelfer. Er schreibt auf jova-nova.com und u.a. für Spiegel Online.

„Ich schreibe für zaghafte Erstbewerber, unsichere Selbstvermarkter, knallharte Karrieresüchtige und karrieremäßig Herausgeforderte.“


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